Investment-Compliance-Systeme wie SimCorp Dimension™, Charles River oder MIG21 können nur prüfen, was kodiert wurde. Zwischen einem Gesetzestext oder Fondsprospekt und einer funktionierenden Regel liegen Auslegung, Daten-Mapping und Tests — und die meisten Compliance-Lücken entstehen in diesen Schritten, nicht im System selbst.
1. Erstellen Sie ein vollständiges Regelinventar
Erfassen Sie jede Quelle von Beschränkungen: die anwendbare Regulierung, den Fondsprospekt oder die Satzung bzw. Anlagebedingungen, den Vermögensverwaltungsvertrag, interne Risikolimits und kundenspezifische Ausschlüsse. Jede Regel erhält eine eindeutige ID, die genaue Quellenangabe und einen Verantwortlichen.
2. Legen Sie jede Regel präzise aus
Juristische Formulierungen müssen in eine eindeutige Spezifikation übersetzt werden. Ein klassisches Beispiel ist die Diversifizierungsregel für OGAW (UCITS): Ein Fonds darf höchstens 10 % seines Vermögens in Wertpapieren eines einzelnen Emittenten anlegen, und Positionen in Emittenten, die jeweils mehr als 5 % ausmachen, dürfen insgesamt 40 % nicht überschreiten. Um dies korrekt zu kodieren, müssen Sie die Emittentenebene (Rechtsträger oder Konzern) definieren und festlegen, welche Instrumente angerechnet werden, wie Derivate und liquide Mittel behandelt werden und welche Ausnahmen gelten — zum Beispiel für Staatsanleihen.
Schweizer Vorsorgeeinrichtungen stehen mit der BVV2 vor einer ähnlichen Aufgabe: Kategoriengrenzen wie 50 % für Aktien, 30 % für Immobilien, 15 % für alternative Anlagen und 30 % für Fremdwährungen ohne Währungsabsicherung sowie eine Begrenzung von 10 % pro Schuldner. Schweizer Effektenfonds unterliegen den Anlagebeschränkungen der KKV, die weitgehend an OGAW angelehnt sind. Nach der AIFM-Richtlinie berechnen Verwalter den Leverage sowohl nach der Brutto- als auch nach der Commitment-Methode und müssen die gegenüber den Anlegern offengelegten Höchstwerte einhalten.
3. Bilden Sie die Daten ab, die jede Regel benötigt
Eine Regel ist nur so gut wie ihre Daten. Emittentenhierarchien, Wertpapierklassifizierungen, Länder- und Währungsattribute, Durchschaudaten (Look-through) für Zielfonds und Derivate-Exposures müssen verfügbar sein und konsistent gemappt werden. Fehlende oder falsch klassifizierte Daten sind die häufigste Ursache für Fehlalarme — und für echte Grenzverletzungen, die unbemerkt bleiben.
4. Testen Sie mit Positiv-, Negativ- und Grenzfällen
- Positivfälle — Portfolios, die die Prüfung bestehen müssen.
- Negativfälle — Portfolios, die eine Grenzverletzung auslösen müssen.
- Grenzwerte — genau auf der Grenze, knapp darunter und knapp darüber.
- Parallelläufe — altes und neues System prüfen vor dem Go-live dieselben Positionen.
5. Analysieren Sie Grenzverletzungen und dokumentieren Sie Entscheidungen
Unterscheiden Sie aktive Grenzverletzungen, die durch eine Transaktion verursacht werden, von passiven Grenzverletzungen infolge von Marktbewegungen, Zeichnungen oder Rücknahmen. Für jede Art gelten eigene Fristen zur Behebung und eigene Meldepflichten. Eine dokumentierte Analyse von Grenzverletzungen schützt sowohl den Fonds als auch die dafür verantwortlichen Personen.
Woran Projekte scheitern: Regeln, die aus Zusammenfassungen statt aus Quelldokumenten kodiert werden · unklare Emittentendefinitionen · fehlende Durchschaudaten für Zielfonds · keine Regressionstests nach System-Upgrades.
Behandeln Sie Regeln als lebende Bibliothek
Prospekte ändern sich, Vorschriften werden angepasst und Systeme aktualisiert. Wird das Regelwerk als versionierte Bibliothek geführt — mit Quellen, Spezifikationen, Testfällen und Änderungshistorie —, bleibt die Compliance über jede Migration hinweg konsistent. Das ist der Kern unserer Compliance-Regel-Engine.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, aufsichtsrechtliche oder Anlageberatung dar. Maßgeblich sind stets die anwendbaren Gesetzestexte und die Fondsdokumentation.